Rote Schuh`

Hallo ihr Lieben,

heute habe ich mal wieder einige Lieder von Juliane Werding angehört….. unter anderem das Lied „Rote Schuh´“ , welches ich sehr gerne mag…. doch hinter diesem Text steht eine Problematik, die ich (manchmal) nicht verstehe. Es ist ein Tabu-Thema! Es geht hier um Prostitution, Huren und Freier. Ein Markt, den es wohl schon immer gab und wohl auch immer geben wird….. doch was geht in den Menschen vor, die sich in solch einem Milieu begegnen? Immerhin gehen täglich tausende Männer zu Huren! Ein Markt also, der boomt! Sex sells….

In dem Lied geht es nun um eine Frau, die auf ihren geliebten Freund wartet, wer weiß wie lange schon…. und ihren Lebensunterhalt als Prostituierte bestreitet.  Was mit dem Mann ist, bleibt offen und wohl der eigenen Phantasie überlassen…. Unfall??  Verbrechen?? …. oder einfach getürmt??? Das kommt nicht wirklich „raus“

Maria, so heißt diese junge Frau, scheint voller Trauer zu sein und trotz ihrer Tätigkeit ist sie „ihm“ treu. Wie heißt es in dem Text:  „Jeden hat sie umarmt, doch Maria ist treu!“. Geht das überhaupt frage ich mich??? Wo hört Treue auf, wo fängt betrügen an?

„Auch wenn keiner es ahnt, sie liebt nur ihn dabei.  Sie spart ihr Geld, sie lebt nur noch für ihn, eines Tages wird er vor ihr stehn – rote Schuh´ – Augen zu, sie wartet auf ihn!“.

„Rote Schuh´- Augen zu, sie sagt niemals nein!“.

Durch meine Arbeit habe ich auch gelegentlich mit solchen Frauen zu tun. Wie sie in dieses Milieu gekommen sind? Da gibt es vielfältige Gründe. Manche wurden gezwungen, sind sogenannten „Loverboys“ aufgessen, manche tun „ES“, um ihre Kinder satt zu bekommen, andere haben nichts gelernt, wieder anderen wurde Gewalt angetan und sie fühlen sich schmutzig und landeten dann irgendwie auf der Straße oder in einem Bordell.

Da mich nur Frauen anrufen, die unglücklich in dieser Situation sind, kann ich natürlich nicht sagen wieviele von den Huren diesen Job freiwillig tun oder weil sie einfach Spaß daran haben, doch das, was ich in diesen Fällen an Schicksalen zu hören bekomme ist mitunter schon echt hart.

Was geht in diesen Mädchen und Frauen vor, die tagtäglich ihre Körper verkaufen? Wie ertragen sie es, das intimste was ein Mensch einem anderen geben kann, mit fremden Männern zu teilen? Wie ertragen sie immer und immer wieder andere Hände auf ihren Körpern? Nun, ich kann es mir schwer vorstellen, doch jede einzele sagte mir im Verlauf des Gespräches, das sie irgendwie „abschalten“, ihren Körper irgendwie verlassen und dann eine Rolle spielen: Die Rolle der unersätlichen Geliebten, die immer Geil ist!   Doch sie stumpfen seelisch ab! Viele ertragen dieses Leben nur durch Drogen oder Alkohol, dabei spielen sie ihre Rolle, die von ihnen erwartet wird inzwischen so gut, das selbst die Freien es nicht merken, das sie von einer zugedröhnten Hure bedient werden.

Die meisten von ihnen können sich gar nicht mehr vorstellen, jemals einen Mann lieben zu können, Zärtlichkeiten zu tauschen, Nähe zuzulassen. Ausnahmslos alle sagten: „Wenn ich mit diesem Job aufhöre, dann bleibe ich allein!“

Warum?…  das frage ich dann still für mich und mir schießen tausende mögliche Antworten durch den Kopf! Eine dieser Huren erzählte mir in einem sehr langen Gespräch, das sie nie wieder einem Mann vertrauen könnte und wenn ihr dann einer zu Nahe käme, würde sie abweisend werden, ein körperlich spürbarer Ekel würde sich breit machen.  – Purer Selbstschutz??

Sie weinte am Telefon sehr, kam nicht raus aus dem Bordell, in dem sie quasi wie eine Gefangene lebte. Jeden Tag muß sie Männern zur Verfügung stehen, egal was sie von ihr wollen und wie sie es wollen. Wenn sich ein Freier beschwert, bekommt sie Schläge. Frei bewegen außerhalb des Hauses? Fehlanzeige! Polizei rufen? Mehrfach geschehen, doch nichts geschah, denn viele der dort zuständigen Beamten zählen dort zur Stammkundschaft! Man stelle sich das mal vor! Unglaublich! Und das geschieht jeden Tag in unzähligen Städten rund um den Globus!

Diese Hure zählte zu den sogenannten Edelhuren. Das Haus in dem sie anschaffen muß, zählt wohl zur „gehobenen Klasse“. Was immer das auch zu bedeuten hat.  Ärztliche Untersuchungen finden zwar auch regelmäßig statt, doch werden die Frauen immer in Begleitung zu den Ärzten gefahren. – was muß da für ein emotionaler Druck herrschen??? Dazu dann die von den Frauen (die mit mir sprachen), unwürdige Arbeit. Diese Mädchen und Frauen sind allesamt seelische Wracks…. diese Dame nun weinte am Telefon so sehr, doch sie verriet mir nur das sie in der Schweiz sei, sie nannte jedoch keinen Ort. Am Ende unseres Telefonats sagte sie noch: „Jedes mal wenn ich einem Kerl einen blasen muß, schließe ich die Augen, denke an etwas anderes und gehen anschließend aufs Klo zum kotzen!“. Am liebsten würde sie diesen Kerlen ihr bestes Stück einfach abbeißen und sie hatte echt Angst davor, soweit die Kontrolle über sich zu verlieren, das sie es eines Tages tatsächlich tun würde.

Dies war eines jener Gespräche, die mir sehr lange und deutlich im Gedächtnis geblieben sind. Ich möchte hier niemanden verurteilen, weder die Frauen, noch die Freier. Doch ich frag mich echt, wo führt das noch hin? Die meisten Freier denken doch tatsächlich, das ganze macht den Nutten wirklich Spaß und nur mit ihnen können sie den Sex genießen!  Oh man(n), welche Selbstüberschätzung!!! (in meinen Augen). Machen sich solche Männer keine Gedanken darum, das sie einer Seele gegenüber stehen, die sie damit erniedrigen? (Resümee aus meinen Gesprächen!)

Klar, viele meinen, gäbe es das älteste Gewerbe der Welt nicht, wäre die Vergewaltigungsrate deutlich höher! Dies vermag ich nicht zu beurteilen, wahrscheinlich wäre es so. Doch was wäre, wenn Mann und Frau sich endlich ebenbürtig auch hier gegenüber stehen? Wenn das „denken“ mit dem Unterleib sich in andere Kanäle leiten lassen würde – wie die der Liebe? Was wäre, wenn die schnelle Befriedigung gegen das verschmelzen zweier Seelen in einem heiligen Akt getauscht würde? Dazu müssten die meisten Männer, die solche Dienste in Anspruch nehmen, sich wohl erstmal mit sich selbst und ihrem Sein beschäftigen, auch ihre weibliche Seite in sich anerkennen, um Frauen – alle Frauen(!) respektvoll zu behandeln. Achtung entgegenbringen – jedem Lebewesen! (das gilt natürlich für alle!)

Eh nun alle empört hier aufsschreien: Ja, es gibt auch Frauen, die sich Callboys nehmen! Sie und die männlichen Freier sind weder besser noch schlechter als wir alle anderen, denn in Wahrheit sind wir alle eins!

Ich freue mich auf das Wassermannzeitalter und darauf, das die alten Bastionen von Unterdrückung der Weiblichkeit, zwar langsam, aber sicher, fallen werden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.